Buchhandlungen Schweiz

Der Detailhandel mit Büchern (Anzahl Arbeitsstätten) hat in der Schweiz gemäss der Statistik der Unternehmensstruktur zwischen 2011 und 2018 um fast 20% abgenommen (von 569 auf 460), wobei nicht zwischen stationärem Handel und Online-Handel unterschieden wird.

Wie viele klassische Buchhandlungen, wo man Bücher noch vor Ort kaufen kann, gibt es eigentlich zur Zeit in der Schweiz und wo sind diese zu finden? Unsere Recherche im Internet stiess auf insgesamt 479 Buchhandlungen, Papeterien mit breitem Bücherangebot, Buch- bzw. Lesecafés und andere Formen des Buchhandels, deren Auswertung wir hier präsentieren.

Grosse vs. kleine Player im Buchhandel

Buchhandelsketten wie Orell Füssli, Lüthy Balmer Stocker, Ex Libris, Weltbild, Payot und andere sind im Besitz von ca. 40% aller Buchläden in der Schweiz. Diese Ketten sind alle zusätzlich online präsent, wo schätzungsweise 40% des Umsatzes erwirtschaftet werden.

Wie verteilen sich die Buchhandlungen auf den Raum?

Buchhandlungen Schweiz

Ein Abgleich mit den harmonisierten Bauzonen der Schweiz zeigt, dass sich die klassischen Buchhandlungen nach wie vor grösstenteils (in 3 von 5 Fällen) in den Zentrumszonen der Gross-, Mittel- und Kleinstädte (z. B. Fussgängerzonen) befinden, in wenigen Fällen auch in Zentrumszonen von kleineren Gemeinden. Hinzu kommen 27% an äusseren Lagen. Die übrigen 14% Buchläden befinden sich in Einkaufszentren und in Bahnhofpassagen, wo hohe Fussgängerfrequenzen locken, andererseits jedoch die Ladenmieten umso höher sind.

LageAnzahl Buchhandlungen (Anteil)
Zentrale Lage (Zentrumszone ohne Einkaufszentren/Bahnhöfe)59%
Aussenlage (Arbeits-/Misch/Wohnzone ohne Einkaufszentren/Bahnhöfe) 27%
Einkaufszentren11%
Bahnhöfe3%
Tabelle: datenportal.info; Quellen: datenportal.info, map.geo.admin.ch, Kantonale Raumplanungsfachstellen, INFOPLAN-ARE, SBVV, Buchzentrum, Livresuisse, Alesi

Über- und Unterbelegung von Wohnungen

Wohnflächenverbrauch

Ende 2020 zählte die Schweiz insgesamt 4’637’174 Wohnungen, davon waren 3’888’575 ständig bewohnt. Wie verteilen sich die Bewohner auf die verschiedenen Wohnungsgrössen und wer trägt massgeblich zum Bedarf an Wohnflächen bei, der in den letzten Jahren durchschnittlich leicht gewachsen ist?

In 641’000 bzw. 16,5% der Wohnungen leben gleich viele Personen, wie die Wohnung über Zimmer verfügt. In Personen ausgedrückt sind das knapp 1,82 Mio. oder 21,2% der ständigen Wohnbevölkerung.

Ca. 245’000 oder 7% aller Wohnungen sind überbelegt, d. h. es wohnen mehr Personen in einer Wohnung, als die Wohnung über Zimmer verfügt. Eine Überbelegung betrifft ca. 1 Mio. Menschen in der Schweiz.

Die verbleibenden 3 Mio. Wohnungen sind alle unterbelegt. Eine Unterbelegung von 1 Person macht prozentual am Wohnungsbestand knapp 29% aus, eine Unterbelegung von 2 und mehr Personen allerdings über 48%. Letzteres entspricht 3,26 Mio. Menschen, die zusammen in 1,89 Mio. Wohnungen wohnen. Wer sind oder könnten die Bewohnertypen mit einer grösseren Überbelegung sein? Ein Versuch, diese Bewohnertypen aufgrund der Wohnungsgrössen zu definieren.

Tabelle: Unterbelegung von Wohnungen nach Bewohnertypen

BewohnertypAnzahl Wohnungen (ca.)Anzahl Personen (ca.)Flächenverbrauch pro Person (m2)
Single-Bewohner in einer 3-Zimmer-Wohnung452’000 452’000 79.9
Single-Bewohner in einer 4-Zimmer-Wohnung254’000 254’000 106.2
Single-Bewohner in einer 5-Zimmer-Wohnung100’000 100’000 138.1
Single-Bewohner in einer Gross-Wohnung53’000 53’000 177.9
Paar in einer 4-Zimmer-Wohnung412’000 824’000 53.1
Paar in einer 5-Zimmer-Wohnung230’000 460’000 69
Paar in einer Gross-Wohnung135’000 270’000 89
Paar mit einem Kind in einer 5-Zimmer-Wohnung oder 3er-Wohngemeinschaft105’000 315’000 46
Paar mit einem Kind in einer Gross-Wohnung64’000 192’000 59.3
Paar mit zwei Kindern in einer Gross-Wohnung oder 4er-Wohngemeinschaft 85’000 340’000 44.5

Quellen: Bundesamt für Statistik, GWS 2020; Auswertung: Bundesamt für Statistik, datenportal.info

Geht man davon aus, dass sich die Bewohner in stark unterbelegten Wohnungen zufällig auf die jeweiligen Wohnungsgrössen verteilen, lässt sich aufgrund der durchschnittlichen Wohnungsflächen der Flächenverbrauch pro Person berechnen. Dabei zeigt sich schön, dass sowohl Single-Bewohner wie auch Paare ohne Kinder deutlich über dem durchschnittlichen Wohnflächenbedarf von 46,3 m2 pro Person liegen. Überraschend am Ergebnis sind sicherlich die über 400’000 Single-Bewohner, die in einer Wohnung mit 4 oder mehr Zimmern wohnen und teilweise einen Flächenverbrauch von über 100 m2 ausweisen.

Tankstellennetz der Schweiz

Tankstelle

Das Benzin- und Diesel-Tankstellennetz der Schweiz zählt über 3’000 Marken-Tankstellen und einige Hundert unabhängige Tankstellen (meist Autogaragen). Der Markt ist hart umkämpft, wie die kürzlich veröffentlichte Übernahme der BP-Tankstellen durch Ruedi Rüssel zeigt. Im Vergleich zu den E-Ladestationen liegen die Benzin-und Diesel-Tankstellen noch etwa gleich auf, im Vergleich zu den Gas-Tankstellen noch klar im Vorsprung.

Die grossen und kleinen Player im Schweizer Benzin- und Diesel-Markt

Neben den grossen bekannten Anbietern gibt es auch einige kleine Player mit vorwiegend regionalem Tankstellennetz. Dazu gehören Jubin und Combustia in der Westschweiz, Voegtlin-Meyer im Aargau und der Nordwestschweiz oder Piccadilly im Tessin.

Marke / AnbieterAnzahl Tankstellen in der Schweiz
AVIA> 500
AGROLA> 400
Ruedi Rüssel (inkl. Miniprix, Oel-Pool und Flamol) > 300
Andere (Autogaragen etc.)> 300
BPca. 300
Enica. 250
Coop ca. 250
Migrol> 200
Tamoilca. 200
Shell> 150
Jubinca. 100
Combustiaca. 30
Voegtlin-Meyer ca. 30
OIL!ca. 20
Oeltrans ca. 20
Simond< 20
Scall < 20
Piccadilly < 20
Merillat < 20
Midland < 20
Freie Tankstelle < 20
HUBROL< 10
Gustoil < 10
LGG < 10
Celsa-Charmettes < 10
Spurt < 10
Ecostop < 10
Poco < 10

Tabelle: datenportal.info; Quellen: Viamichelin, Agrola, diverse Marken und Anbieter

Wie verteilen sich die Tankstellen auf den Raum?

Tankstellen und Bauzonen Schweiz
Karte: datenportal.info; Quellen: datenportal.info, map.geo.admin.ch, Kantonale Raumplanungsfachstellen, INFOPLAN-ARE

Ein Abgleich mit den harmonisierten Bauzonen der Schweiz zeigt schön auf, dass sich die Tankstellen relativ gut auf die verschiedenen Zonen verteilen (N = 3’449)

ZonenartProzentanteil
Mischzonen (Wohnen und Arbeit) 35% (circa)
Arbeitszonen (Gewerbe, Industrie) 30% (circa)
Zentrumszonen 16% (circa)
Reine Wohnzonen 12% (circa)
Ausserhalb von Bauzonen (hauptsächlich Autobahnraststätten oder in der Nähe von Grenzübergängen ins Ausland) 5% (circa)
Andere Zonen2% (circa)

Tabelle: datenportal.info; Quellen: datenportal.info, map.geo.admin.ch, Kantonale Raumplanungsfachstellen, INFOPLAN-ARE

Tankstellendichte in den Gemeinden

Tankstellendichte in den Gemeinden

Die Tankstellendichte in den Gemeinden ist recht homogen und liegt bei null bis zwei Tankstellen pro 1’000 gemeldete Motorfahrzeuge (Benzin, Diesel, Hybrid). Überdurchschnittliche Dichten finden sich ausschliesslich in Grenzgemeinden wie zum Beispiel Zwischbergen am Simplonpass, Bargen an der A4 Richtung Deutschland, Val Müstair oder Brusino Arsizio im Tessin sowie in Gemeinden mit Autobahnraststätten. Diese Tankstellen sind vor allem für den Pendel-, Durchgangs- oder Reiseverkehr bestimmt.

Mobilität: Motorisierungsgrad vs. ÖV-Abos

Motorisierungsgrad (Anzahl Personenwagen im Verhältnis zur ständigen Wohnbevölkerung des Vorjahres) 2020 in den Schweizer Gemeinden

Motorisierungsgrad 2020
Karte: datenportal.info; Quellen: BFS (Strassenfahrzeugbestand, Statpop, Generalisierte Gemeindegrenzen)

ÖV-Abos (General-Abonnemente, Halbtax-Abos und Verbund-Abos im Verhältnis zur ständigen Wohnbevölkerung des Vorjahres ) 2020 nach PLZ-Gebieten

ÖV-Abos 2020
Karte: datenportal.info; Quellen: Open-Data-Plattform Mobilität Schweiz, BFS (Statpop), swisstopo (Amtliches Ortschaftenverzeichnis)

Wie bewegt sich die Schweiz im Jahr 2020 fort? Gemäss dem aktuellsten Mikrozensus Mobilität und Verkehr (MZMV) aus dem Jahr 2015 machen die Personenwagen beinahe zwei Drittel (65%) der zurückgelegten Distanzen aus, gefolgt vom öffentlichen Verkehr mit einem Anteil von 24 Prozent der Verkehrswege.

Die Daten zum Fahrzeugbestand nach Gemeinden (Karte 1) und die Daten der ÖV-Abos nach PLZ-Gebieten (Karte 2) zeigen schön auf, in welchen Regionen auf welches Verkehrsmittel gesetzt wird, wo die entsprechenden Gegensätze stark sind und wo bereits eine kombinierte Mobilität aus MIV und ÖV Tatsache ist.

Die tiefsten Motorisierungsgrade finden sich in Grossstädten (Basel, Zürich, Genf, Lausanne, Bern) und einigen Vorortsgemeinden (Chavannes-près-Renens, Ostermundigen, Onex). Je nach Agglomeration, Topographie, und Erschliessung durch Bahn- oder Buslinien kann der Motorisierungsgrad schon angrenzend an die Stadt viel höher sein oder auch nicht. Erstaunlicherweise weisen auch touristische (Zermatt, Leysin) und ländliche Gemeinden (Lauperswil BE, Schwende AI) sehr tiefe Werte aus, oft sind es Gemeinden mit direktem Bahnzugang, was die Bedeutung der Bahn im Vergleich zu anderen Transportmitteln im ÖV hervorstreicht. Regional betrachtet sind es die periurbanen und ländlichen Gebiete in den Kantonen Wallis, Waadt, Fribourg, Neuenburg, Bern, Jura, Solothurn, Aargau, Zürich, Schaffhausen und Thurgau sowie die Kantone Schwyz und Tessin mit hohen Werten.

Umgekehrt sind genau in diesen Gebieten die ÖV-Abo-Anteile viel geringer (siehe Karte 2). Drei Bänder prägen nämlich die ÖV-Landschaft der Schweiz. Erstens die Erschliessung rund um den Metropolitanraum Zürich (von Schaffhausen im Norden über Zürich und Zug bis nach Luzern im Süden mit Ausläufern nach Westen in den Aargau und nach Osten Richtung St. Gallen und Thurgau). Zweitens die Erschliessung rund um die Agglomeration Bern (von Solothurn und Biel im Nordwesten über Bern und Thun bis nach Visp und Brig im Südosten – Stichwort Lötschberglinie). Drittens das Gebiet um den ganzen Lac Léman von Genf über Lausanne bis nach Vevey und Montreux. Sehr schön auch zu erkennen sind die Sprachgrenzen und die diesbezüglichen Mentalitätsunterschiede bezüglich Mobilität innerhalb des Kantons Wallis und zwischen den Kantonen Bern und Fribourg.

Zuletzt gibt es Gebiete in der Schweiz, die sie sowohl von einer guten MIV- wie auch ÖV-Infrastruktur profitieren, namentlich zwischen Genf und Lausanne sowie Regionen von Bern über die Kantone Solothurn und Aargau, das Zürcher Unterland bis in die Ostschweiz, immer abhängig von der Erschliessung (Distanz zur Autobahn oder Bahnlinie) und dem Verkehrsfluss. Hier dürfte eine kombinierte Mobilität vorherrschen, je nach Zweck der Reise (Arbeit, Freizeit, Einkaufen).

Veränderung des Gebäudeareals innert 25 Jahren

Relative Veränderung des Gebäudeareal-Anteils an der Gesamtfläche (in Prozentpunkten) während 25 Jahren

Arealstatistik
Karte: datenportal.info, BFS (Generalisierte Gemeindegrenzen)

Die Arealstatistik der Schweiz (AREA) gibt u. a. Aufschluss darüber, wie sich die Gebäudeflächen und deren Aussenräume seit den 1980-Jahren in den Gemeinden entwickelt haben. Wir haben diesbezüglich die Veränderungen der Gebäudeareale über den aktuell grösstmöglichen Zeitraum von 25 Jahren (Arealstatistik 1979/1985 und Arealstatistik 2004/2009) untersucht.

Absolut betrachtet entstanden die meisten neuen Gebäudeareale (Wohnareale, öffentliche Gebäudeareale, Landwirtschaftliche Gebäudeareale, nicht spezifizierte Gebäudeareale; ohne Industrie-, Gewerbe- und Versorgungsareale) in grösseren Städten wie Zürich, Lausanne, Winterthur, St. Gallen, Lugano, Thun, Köniz oder Uster, ebenfalls in kleineren Städten wie Sion, Bulle oder Einsiedeln, aber auch in periurbanen Gemeinden wie Nendaz oder Val de Bagnes (Verbier), die vom Tourismus abhängig sind. Bei den beiden letztgenannten überrascht daher auch der hohe Zweitwohnungsanteil von 64% bzw. 56% nicht. In all diesen Gemeinden vergrösserten sich die Geäudeareale um beinahe 100 Hektaren oder mehr, was über den ganzen Zeitraum mindestens 136 Fussballfeldern (Fussballfeld = ca. 0,714 ha) oder mehr als 5 Fussballfeldern pro Jahr entspricht.

Schaut man die Veränderungen relativ an (Veränderung des Gebäudeareal-Anteils an der Gesamtfläche in Prozentpunkten), sind es hauptsächlich suburbane Gemeinden um grössere und kleinere Städte, die einen «Bauboom» (Veränderung von mehr als 10 Prozentpunkten) verzeichneten. Es sind dies unter anderen:

Ville d’Onex 1982 (Bild links) und 2006 (Bild rechts)

Besonders der südliche Teil des Stadtgebiets zwischen Route de Chancy und Route du Grand-Lancy sowie südlich der Route du Grand-Lancy wurde zwischen 1982 und 2006 stark bebaut. Quelle: swisstopo, Zeitreise Kartenwerke

Der nördliche Teil des Stadtgebietes wurde bereits in den 1960er-Jahren bebaut, u. a. entstand eine der ersten grossen Satellitenstädte der Schweiz, die Cité-Nouvelle.

Wohnungsbau 2019 – Grossüberbauungen auch ausserhalb der Agglos

Wohnungsbau

48’040 Wohnungen wurden im Jahr 2019 in der Schweiz neu gebaut, wie das Bundesamt für Statistik diese Woche mitteilte. Im Vergleich zu den Vorjahren entspricht dies einem beträchtlichem Rückgang von einigen Tausend Wohnungen. Während absolut betrachtet (Anzahl neu erstellte Wohnungen) nach wie vor in den Städten und Agglomerationsgemeinden am häufigsten gebaut wurde, sieht es relativ betrachtet (Anzahl neu erstellte Wohnungen in Bezug auf den Bestand Ende 2019) etwas anders aus. Der Wohnungsbau war nämlich auch im periurbanen und ländlichen Raum präsent, teilweise entstanden sogar grössere Wohnüberbauungen. Wo und durch wen investiert und gebaut wurde und was eine Neubauwohnung kostete, zeigt unser Blick auf zehn Gemeinden mit hohen Neubauquoten (> 6% des Bestands).

GemeindeBFS-GemeindetypNeubauquote in Prozent (2019)Neu erstellte Wohnungen (2019)Netto-Wohnungsmietpreis pro m2 und Jahr (2019)Netto-Wohnungskaufpreis pro m2 (2019)Eigentümer / Investor von Wohnüberbauungen (sofern bekannt)
Remigen (AG)Periurbane Industriegemeinde13.890CHF 233.- (N = 30)
Staufen (AG)Städtische Dienstleistungsgemeinde10.6203CHF 227.- (N = 106)Helvetia Versicherungen, Wohnbaugenossenschaft Lenzburg
Neyruz (FR)Periurbane Dienstleistungsgemeinde8.799CHF 5’542.- (N = 95)
Fahrwangen (AG)Ländliche Industriegemeinde8.494CHF 203.- (N = 3)CHF 5’574.- (N = 3)Fortimo AG
Muri (AG)Industriegemeinde eines ländlichen Zentrums7.8314CHF 210.- (N = 122)CHF 6’296.- (N = 18)Allianz Suisse AG, Immovesta AG, Bühl AG
Pieterlen (BE)Periurbane Industriegemeinde7.2166CHF 214.- (N = 83)PTV Pensionskasse der Technischen Verbände
Safenwil (AG)Periurbane Dienstleistungsgemeinde7.1143CHF 208.- (N = 24)CHF 8’312.- (N = 4)
Saint-Légier-La Chiésaz (VD)Städtische Wohngemeinde6.5153CHF 264.- (N = 3)Pensionskasse des Bundes PUBLICA
Romont (FR)Industriegemeinde eines ländlichen Zentrums6.2174CHF 7’589.- (N = 5)
Chavannes-près-Renens (VD)Städtische Wohngemeinde6.2236CHF 316.- (N = 131)

Drei Pfeiler für ein erfolgreiches Datenmanagement

1 Organisation

Um ein erfolgreiches Datenmanagement betreiben zu können, braucht es eine Datenstrategie, die vom Unternehmen abgesegnet ist und regelmässig überprüft und angepasst wird (Daten als Teil des Business). Die Datenstrategie beantwortet u. a. folgende Fragen:

  • Zu welchem Zweck werden welche Daten erfasst und verarbeitet?
  • Wie sieht der Datenzyklus (Data Cycle) von der Erfassung bis zur Archivierung oder Löschung aus?
  • Wer arbeitet mit den Daten (Rollen), wer hat das entsprechende Know-How, wer hat die entsprechenden Entscheidungskompetenzen?
  • Welche Techniken und Methoden werden für die Erfassung und Verarbeitung eingesetzt?
  • Gibt es eine zentrale Datenabteilung oder ist das Datenmanagement Teil verschiedener Aufgabenprofile (Datenmanagement als Skill).
  • Wie sind Datensicherheit und allenfalls Datenschutz gewährleistet?

Unsere Empfehlungen:

  • Daten durchlaufen immer einen so genannten Data Cycle, von der Erfassung (extern oder intern) bis zur Archivierung oder Löschung. Entscheidend ist, dass dieser Prozess im Unternehmen zu jeder Zeit für alle involvierten Mitarbeitenden nachvollziehbar ist.
  • Für die externe Beschaffung von Daten empfiehlt sich ein zentraler Eingangsort (Single point of entry) im Unternehmen, um die Datenqualität und die Einhaltung von Standards sofort überprüfen zu können.
  • Gibt es keine zentrale Datenabteilung, müssen alle Mitarbeitenden, die mit den Daten in Kontakt kommen, entsprechend geschult werden.
  • Datenmanagement ist ein agiles Business und benötigt daher schnelle und transparente Entscheidungswege.
  • Reduzieren Sie die die Abhängigkeiten von Personen und Systemen, um schnell auf Änderungen reagieren zu können.

2 Daten und Inhalt

Daten helfen bei Entscheidungsprozessen nur weiter, wenn sie einer bestimmten Qualität und bestimmten Standards entsprechen. Datenqualität bedeutet in den meisten Fällen Ressourcen, sei es personell (interne Datenbeschaffung und -verarbeitung) oder finanziell (externe Datenbeschaffung). Standards sind das A und O des Datenmanagements, angefangen bei der Datenerfassung (Terminologie, Kodierung, etc.), über die Organisation (Arbeits- und Prozessmethodik) bis hin zur Technik.

Unsere Empfehlungen:

  • Stellen Sie genügend Ressourcen für die Einhaltung der Datenqualität und der Standards zur Verfügung.
  • Erfassen oder beschaffen Sie nur Daten, für die ein konkreter Zweck vorgesehen ist.
  • Versuchen Sie, die Daten zu verstehen. Je mehr Sie über die Erfassungsmethodik und Standards wissen, desto einfacher gestaltet sich die Datenverarbeitung. Wissen trägt zudem zur Verbesserung der Datenqualität bei.
  • Erkennen Sie die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Datenbeständen. So können Sie Redundanzen vermeiden und gleichzeitig Potenziale für Datenverknüpfungen (sofern es der Datenschutz zulässt) aufzeigen.
  • Pflegen Sie Ihre Metadaten und Dokumentationen.
  • Löschen Sie Daten, die Sie nicht mehr benötigen, regelmässig.
  • Archivieren Sie Daten, auf die Sie zwecks Nachvollziehbarkeit wieder zurückgreifen müssen.

3 Technologie

Entscheidend bei den technischen Hilfsmitteln zur Datenverarbeitung ist nicht das Tool (Datenbank, Statistikprogramm, Applikation, Tabellenkalkulation, etc.) an sich, sondern das Verständnis für das Tool bzw. die Konzeption oder das Modell dahinter.

Unsere Empfehlungen:

  • Schaffen Sie sich eine Übersicht über alle verwendeten Tools und die darin verarbeiteten Daten.
  • Minimieren Sie die Anzahl der Tools.
  • Die technische Lösung sollte sich «grosso modo» den Daten anpassen, nicht umgekehrt.
  • Überlegen Sie sich immer ein Datenmodell und wie sich dieses zukünftig anpassen lässt, bevor Sie eine technische Lösung implementieren.
  • Erkennen Sie die Zusammenhänge zwischen den technischen Systemen, um Redundanzen zu vermeiden.
  • Pflegen Sie Ihre Metadaten an einem zentralen Ort.
  • Sorgen Sie zu jeder Zeit für die Datensicherheit und allenfalls für den Datenschutz.

Zuwanderungs- und Bauboom im Oberwallis?

Brig

Am 30. Mai 2021 berichtete die Sonntagszeitung in einem interessanten Beitrag (-> Paywall) von einer hohen Zuwanderung und einem Immobilienboom in der Kleinstadt «Visp«, ausgelöst durch die vielen neu geschaffenen Arbeitsplätze der Firma «Lonza«. Die Lonza beschäftigt in Visp zur Zeit mehrere Tausend Arbeitnehmende.

Kann eine einzelne Grossfirma eine ganze Region mit ca. 65’000 EinwohnerInnen (MS-Regionen Visp und Brig) prägen oder sogar verändern – sei es bezüglich Infrastruktur oder Immobilienpreise – haben wir uns dabei gefragt. Und besteht diesbezüglich ein Klumpenrisiko? Die jetzige Antwort auf beide Fragen lautet: «Zum Glück noch nicht.»

Anhand von einigen Daten (Neu erstellte Wohnüberbauungen, öffentliche Statistik) und Fakten wollen wir dieser Frage etwas genauer auf die Spur gehen. Als Vergleichsgemeinde ziehen wir die Stadt «Brig» hinzu, die im Gegensatz zum industriell geprägten Visp mit seinen Sehenswürdigkeiten und Freizeitangeboten (Stockalperpalast, Thermalquellen Brigerbad) auf den hauptsächlich inländischen Tourismus ausgerichtet ist.

IndikatorGemeinde VispGemeinde Brig-Glis
Ständige Wohnbevölkerung (2019)7’85912’766
Bevölkerungsentwicklung (Durchschnitt letzte 5 Jahre)1,4%0,6%
BFS-GemeindetypStädtische Industriegemeinde einer kleinen Agglomeration
(Brig – Visp – Naters)
Städtische Tourismusgemeinde einer kleinen Agglomeration
(Brig – Visp – Naters)
Arbeitsstätten (2018)7711’150
Beschäftigte (2018)9’8889’945
Reisezeit nach Bern (ÖV)00:5701:06
Reisezeit nach Bern (MIV)ca. 01:55ca. 02:05
Reisezeit nach Lausanne (ÖV)01:3301:42
Reisezeit nach Lausanne (MIV)ca. 01:40ca. 01:50
Neu erstellte Wohnungen pro Jahr (Durchschnitt 2014-2018)9961
Netto-Wohnungsmietpreis pro m2 und Jahr (Median letzte 3 Jahre, Neubau)CHF 216.- (N = 63)CHF 214.- (N = 120)
Netto-Wohnungskaufpreis pro m2 (Median letzte 3 Jahre, Neubau)CHF 4’688.- (N = 35)CHF 4’964.- (N = 15)
Anzahl Hotel-Betriebe (2020)ca. 4ca. 12
Anzahl Logiernächte (Durchschnitt letzte 5 Jahre)n/aca. 140’000

Neubautätigkeit, Bevölkerungsentwicklung und Zuwanderung

Sowohl in Visp (Arnikaweg, Bäret, InWest, Jasminum, Nelkenweg, Visp City) wie auch in Brig (Bachhalte, Briggasse, Dreipark, Neue Gliserallee, Weitsicht Glis) gab es in den letzten Jahren einige grössere Neubauprojekte, was sich in der Bevölkerungsentwicklung widerspiegelt. Dabei ist Visp prozentual stärker gewachsen. Von einem allgemeinen Bevölkerungs- und Bauboom in der Region kann aber (noch) nicht die Rede sein. Während in Visp sowohl auf Eigentums- wie auch auf Mietwohnungen gesetzt wird, überwiegt in Brig der Neubau von Mietwohnungen. Visp verzeichnete in den letzten Jahren einen Anstieg bei der internationalen Zuwanderung, wobei diese Zahlen aufgrund von Aufenthaltsstatus-Wechseln mit Vorsicht zu interpretieren sind. Ansonsten waren die Zu- und Wegzüge in beiden Gemeinden über die letzten Jahre hinweg stabil.

Infrastruktur

In beiden Gemeinden befindet sich ein Ableger des Spitalzentrums Oberwallis. Im Jahr 2019 wurde in Visp die Lonza Arena eröffnet, die hauptsächlich als Eishockeystadion, aber auch als Eventhalle genutzt wird (Kapazität für 5’150 ZuschauerInnen). Bezüglich Hotellerie und Kindertagesstätten ist Brig dagegen deutlich besser aufgestellt. Ein Bauboom für Infrastruktur ist jedoch nicht zu erkennen. Ein Grund dafür ist der verzögerte Bau der Autobahn A9 von Sierre nach Visp. Im Moment wird das Spital Brig neu- und umgebaut, das Spital Visp soll zukünftig umgenutzt werden.

Immobilienpreise

Die Sonntagszeitung weist jährliche Mietpreise pro m2 (für alle Wohnungen auf dem Markt) von ca. 180.- bis 185.- für Visp und ca. 165.- bis 170.- für Brig aus (Quelle: Wüest Partner). Ob es sich dabei um Netto- (ohne Nebenkosten) oder Bruttomietpreise (mit Nebenkosten) handelt, ist unklar. Unsere Auswertung für Neubauwohnungen ergab jährliche Nettomietpreise pro m2 von 216.- für Visp und 214.- für Brig, also Werte, die ca. 20% – 25% höher liegen. Für neue Wohnungen im Stockwerkeigentum werden pro m2 Wohnfläche ca. 4’700.- in Visp und knapp 5’000.- in Brig bezahlt. Sowohl für Wohnungen im Stockwerkeigentum als auch zur Miete scheinen die Preise (noch) stabil zu sein.

Zukünftige Entwicklung der Region

Das Bundesamt für Statistik geht für den Kanton Wallis bis ins Jahr 2050 von einer unterdurchschnittlichen Bevölkerungsentwicklung aus. Aus regionaler Sicht dürften kleinere Zentren (wie es Visp und Brig sind) moderat wachsen (abhängig von lokalen Begebenheiten wie Infrastruktur und Arbeitsplätze). Dabei handelt es sich um einen Trend, der in der ganzen Schweiz zu beobachten ist. Die Region Oberwallis wird sich jedoch grundlegend nicht so schnell verändern und sich als Wintertourismus-Region (in den Seitentälern) und als Wohn- und Arbeitsregion im Haupttal bewähren.

Grenzgängerquoten der Schweizer Gemeinden

Anhand der aktuellsten Grenzgänger– und Pendlermobilitätsdaten des Bundesamtes für Statistik lassen sich die Grenzgängerquoten (Anzahl GrenzgängerInnen in Bezug auf die erwerbstätige Bevölkerung) für alle Schweizer Gemeinden berechnen.

Grenzgängerquote 2020 (3. Quartal) nach Gemeinden

Grenzgaengerquote
Karte: datenportal.info, BFS (Generalisierte Gemeindegrenzen)

Gut erschlossene und erreichbare Grenzregionen (Tessin, Kanton Genf, Waadtländer und Neuenburger Jura, Kanton Jura, Region Basel, nördlicher Aargau, Schaffhausen, Flughafen Kloten, Kreuzlingen und St. Galler Rheintal) weisen wie erwartet sehr hohe bis hohe Werte aus. Bis anhin weniger im Fokus bezüglich der Grenzgänger-Thematik standen die touristischen oder schlecht erreichbaren Gebiete wie das Engadin oder gewisse Gemeinden im Kanton Wallis, wo aber ebenfalls höhere Quoten zu beobachten sind.

Erwerbstätigenquoten der Schweizer Gemeinden

Anhand der aktuellsten Pendlermobilitätsdaten des Bundesamtes für Statistik lassen sich die Erwerbstätigenquoten für alle Schweizer Gemeinden berechnen.

  • Die Bruttoerwerbstätigenquote misst die Anzahl Erwerbstätigen bezogen auf die ständige Wohnbevölkerung.
  • Die Standardisierte Erwerbstätigenquote misst die Anzahl Erwerbstätigen bezogen auf die ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren.
  • Die Nettoerwerbstätigenquote misst die Anzahl Erwerbstätigen bezogen auf die ständige Wohnbevölkerung zwischen 15-64 Jahren (Personen im erwerbsfähigen Alter).

Nettoerwerbstätigenquote 2018 nach Gemeinden

Nettoerwerbstaetigenquote
Karte: datenportal.info, BFS (Generalisierte Gemeindegrenzen)

Periurbane Gemeinden im Mittelland und teils in den Voralpen (Waadt, Bern, Aargau, Zentralschweiz, Zürich, Thurgau, Appenzell) weisen die höchsten Nettoerwerbstätigenquoten aus. Die teils hohen Quoten in den Berggebieten (Bern, Wallis, Graubünden) sind auf «Zweitwohnungen» (Wochenendaufenthalt) bzw. Haupt- und Nebenwohnsitz zurückzuführen. Man sieht dabei schön, dass viele Personen zwar ihren offiziellen Wohnsitz in touristischen Bergregionen haben, wahrscheinlich aber in urbanen Regionen erwerbstätig sind.

Im Vergleich tiefe bis sehr tiefe Werte sind in Grenzregionen wie Basel, dem Jurabogen, Genf, Tessin und dem St. Galler Rheintal zu beobachten. Diese decken sich mit den hohen Anteilen an Grenzgängerinnen und Grenzgängern.